Sie ist krebskrank, erfolgreich operiert, und nimmt gewissenhaft an den Untersuchungen zur Nachsorge teil. Ihr Arzt findet eine Unregelmäßigkeit in den Laborwerten, möchte diese gern abklären und rät zu einer speziellen Untersuchung. Im Rahmen eines stationären Aufenthalts gehört diese Untersuchung zu den Kassenleistungen. Sie möchte sie gern ambulant vornehmen lassen und beantragt bei ihrer Krankenkasse - es ist eine der "Big Five", die jeder kennt - die Kostenübernahme.
Die erste Reaktion ist verblüffend. Sie erhält einen kurzen Anruf ihrer Kasse. Ein Sachbearbeiter teilt ihr mit, dass die Kostenübernahme leider nicht möglich sei. Ihr Arzt rät ihr, sich nicht auf diese Weise abspeisen zu lassen, sondern einen schriftlichen Bescheid anzufordern, gegen den sie Widerspruch oder Klage erheben könne.
Sie schreibt also erneut an ihre Krankenkasse. Mit bürokratischer Gelassenheit erhält sie 10 Tage später einen Formbrief, dass eine Kostenübernahme für die beantragte "Behandlung" nicht geleistet werden könne. Ausführlich wird erläutert, dass die Entscheidung über die Wirksamkeit und Kostenübernahmeeignung von Behandlungsverfahren nicht von einer Kasse allein, sondern im Verbund und in Absprache mit anderen Versicherungsträgern festgelegt werde. Gegen diesen Bescheid könne sie innerhalb von vier Wochen nach Bekanntgabe rechtskräftig Widerspruch einlegen. Selbstverständlich wird es auch in dieser Phase Wochen brauchen, bis der Widerspruchsausschuss darüber entschieden hat.
Wer krebskrank ist und sich in die Hände der Schulmedizin begibt, weiß, was die Ärzte ihm in jedem Fall vermitteln: Zeit ist kostbar. Jeder Tag, an dem die Patientin aufwacht, auf einen Bescheid hofft und feststellt, dass die Kasse sich immer noch beharrlich Zeit lässt, ist ein Krankheit begünstigender Stressfaktor. Wobei ihr spätestens nach dem letzten Bescheid, in dem "Diagnose" und "Behandlung" unbekümmert verwechselt werden, deutlich werden musste, dass dieser Zeitverbrauch nicht etwa daher rührt, dass sich irgendwer in der Institution für ihre Interessen einsetzt, sondern einzig dem Mahlwerk der Bürokratie geschuldet ist.
In diesem bürokratischen Mahlwerk bleibt auch die Initiative der Patientin auf der Strecke, die auf den kostenintensiveren Krankenhausaufenthalt verzichten möchte, und eine Untersuchung, die im stationären Rahmen problemlos bezahlt wird, ambulant durchführen lassen will. Mitdenken und Geld sparen? Nicht nötig. Ein Einzelfall? Meine Erfahrung ist: Mehrheitlich sind die Mitarbeiter, die direkt mit ihren Kunden in Kontakt sind, engagiert für deren Anliegen. Aber die Entwicklung der Strukturen macht es ihnen zunehmend schwerer, genügend Zeit und Energie zu bekommen, um ihren eigenen Wertmaßstäben gerecht zu werden. Das raubt Motivation und die Hoffnung, etwas bewirken zu können. Was denken und erleben Sie? Gerne höre ich von Ihren Erfahrungen!
Vor einigen Jahren stellte Stefan Raab > im Rahmen seines "Erstwählerchecks" Jugendichen die Aufgabe, Sätze zu vervollständigen. Der erste Satz unseres Grundgesetzes > war auch dabei; ergänzt werden sollte das letzte Wort mihilfe eines aus mehreren Kärtchen.
Und der hoffnungsvolle Erstwähler ergänzte: "Die Würde des Menschen ist ... unauffindbar". Ob er wusste, dass er einen Trend spürte, der - sich beschleunigend - in Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Vormarsch ist?
"Bei Geld hört die Freundschaft auf", sagt eine alte Volksweisheit. Steht die Profitmaximierung als zentraler Wert im Mittelpunkt, verschwinden nicht nur die menschlichen Werte zusammen mit der damit verbundenen Lebensqualität, sondern letztlich sogar das Geld - durch beschleunigte Umverteilung - vom Markt, wie wir inzwischen sekündlich an der Schuldenuhr > ablesen können. So wirkt ein renditeorientiertes Geldsystem wie ein Krebsgeschwür; das "Wachstum um jeden Preis" führt in finaler Konsequenz zum totalen Zusammenbruch.
Wohin sind wir unterwegs? Sind wir Teil des Problems, oder können wir auch Teil einer Lösung werden? Auf jeden Fall sollten wir damit aufhören, "tote Pferde" > zu füttern und ihre Reiter zu subventionieren.







