Es ist modern geworden, die Kirche als "Unternehmen" zu betrachten. Worin besteht der Zweck eines Unternehmens? Geld verdienen allein ist keine Grundlage für ein dauerhaftes Bestehen am Markt.
Der amerikanische Unternehmensberater Stephen R. Covey schrieb:
"Der Zweck eines Unternehmens besteht darin, die Lebensqualität und das materielle Wohl
aller an seinem Erfolg Beteiligten zu mehren."
Den wichtigsten Beitrag zur Lebensqualität leistet eine Kirche, wenn sie das Bewusstsein der Göttlichen Präsenz, die Begegnung mit Gott zu fördern und zu stärken vermag. Als Erfahrung, nicht als Glaubenskonstrukt. Diese unmittelbare Gotteserfahrung zu ermöglichen und zu fördern, ist das Kostbarste, was die Kirche zu geben hat. Gottesglaube und Gottvertrauen ergeben sich dann ganz von selbst.
Und das materielle Wohl? Keine lebendige Religion oder Weisheitslehre propagiert ein Leben im Mangel (es ist also auch unserer Kirche nicht verboten, ihre Mitarbeiter vernünftig zu bezahlen ;-)). Das biblische Reichtumsverständnis unterscheidet sich allerdings von dem des Materialismus: Im spirituellen Weltverständnis entsteht Fülle aus der Gewissheit, dass Gott täglich für seine Menschen sorgt. Damit relativiert sich die Notwendigkeit, Geld zu horten und damit den natürlichen Geldfluss zu belasten. Und Geldsorgen - die sowohl aus materiellem Mangel wie auch aus materiellem Besitz resultieren können - schmelzen dahin.
Jesu Gottverbundenheit, die sich in Geschichten wie der vom Tempelgroschen (Mt 17,27 > ) oder seiner Strategieberatung für Fischer (Joh 21 > ) - ganz zu schweigen von Wasser-in-Wein-Verwandlung (Joh 2,1-11 > ) oder Speisenvermehrung (z.B. Mt 14, 15-21 > , Mt 15, 32-38 > ) - ausdrückt, lädt zum Leben in der Gegenwart ein, zum Genießen der ganzen Fülle des JETZT und HEUTE, auf den Punkt gebracht im Vaterunser > , in dem nicht um Anhäufung materiellen Besitzes, sondern um die tägliche Versorgung mit dem Notwendigen gebeten wird. Das ist ein Training in Vertrauen, dass Gott jeden einzelnen von uns täglich begleitet, beschützt und versorgt - auch wenn wir es nicht spüren und die Umstände oft genug eine andere Sprache zu sprechen scheinen.
Was hilft in der Zwischenzeit? Gesunden Menschenverstand zu entwickeln und zu bewahren. Spirituellen Reichtum und materiellen Wohlstand in der Balance zu halten. In der kirchennahen mittelständischen Druckerei Müller in Selbitz beispielsweise beginnt das Team den Arbeitstag mit einem gemeinsamen Gebet. Zur Firmenphilosophie des Familienbetriebes gehört das Wissen, dass das Bestehen der Firma bis heute nicht selbstverständlich ist, und dass sie ihre gute Auftragslage und ihre finanziellen Erfolge Gott zu verdanken hat. Für viele Unternehmer und Selbstständige bietet die Wirtschaftskrise einen Anlass, zu bedenken, dass sich auch mit der besten Strategie Kunden nicht zwingen lassen, zu Käufern zu werden, und dass ein Bündnis mit Gott und ein Handeln im Einklang mit Seinem Willen ein solider Garant dafür ist, dass das Richtige geschehen wird > .
Trotzdem: Das Vertrauen zu Gott zu bewahren und loyal zu Ihm zu stehen, ist in der gegenwärtigen Zeit deutlich schwerer, als den "ökonomischen Zwängen" und den Sirenengesängen der Controller zu folgen. Auch wenn bereits überdeutlich deutlich zu erkennen ist, wohin sich eine Wirtschaft entwickelt, in deren Mittelpunkt die reine Profitmaximierung steht.
Gottvertrauen zu entwickeln und es wieder finden zu können, wenn es von den Stürmen und Turbulenzen der Welt unermüdlich bis in die Wurzeln hinein erschüttert wird: dafür brauche ich meine Kirche. Darin besteht die Einzigartigkeit dieser Institution, dieses Kraft- und Schutzraums für die Seele. Ich schließe die Tür, sperre die Welt aus und bitte vorübergehend um Asyl.
Und worin besteht der Erfolg des "Unternehmens Kirche"? Eine Bastion für Gottes Licht in einer verdunkelten Welt zu sein. Sein Wirken und Seine liebevollen Absichten direkt in die Welt zu bringen. Menschen dabei zu helfen, Treue zu Ihm zu entwickeln und zu bewahren. Einen Magnetismus zu entwickeln für alle, die auf der Suche sind und es Ernst meinen mit Gott und mit ihrer Seele.
Wer ist an diesem Erfolg beteiligt? Jeder Mensch - Kirchenprofi, Laie oder aufgeschlossener Skeptiker - der Seine Beziehung zu Gott authentisch lebt, mit all ihren Höhen und Tiefen, in Zeiten der Herzensnähe ebenso wie in Zeiten der scheinbaren Abtrennung, Dunkelheit und Dürre. Jeder Mensch, der sich nicht hinter Dogmen und verkrusteten Glaubensfassaden versteckt, aus denen das Leben gewichen ist wie aus totem Holz. Denn jeder Mensch trägt in sich eine lebendige Seele. Man kann sie einsperren und sich betäuben, um sie nicht zu spüren. Aber man kann sie nicht umbringen. Sie wartet auf ihre Chance.







