Haben Sie es mitbekommen? Zwischen Fußball-WM und Berliner Sparpaket ist die Meldung fast untergegangen: Niedersachsens Landtag hat in der vergangenen Woche in aller Stille eine Diätenerhöhung durchgewinkt > . Begründung: Nach den Nullrunden der letzten Jahre werde es einfach mal wieder Zeit. Auch hier sind wieder die schwarz-gelben Tigerenten am Werk, ganz ungeschminkt und pragmatisch auf Futtersuche.
Vorbei scheinen die Zeiten zu sein, in denen sich das Wertsystem leitender öffentlicher Repräsentanten grundsätzlich am Allgemeinen Wohl orientierte und sich lediglich die Vorstellungen über Wege und Wertekanon unterschieden, wie denn dieses Allgemeine Wohl am besten zu fördern sei. Unverdrossene Idealisten finden sich nach wie vor an der Basis der Parteien und Organisationen, aber der Aufstieg in der Hierarchie scheint die Mit-Menschlichkeit einfach abzuschleifen.
Erinnern Sie sich an die Zeit, als Koalitionen noch mit Hinweis auf ihre inhaltliche Ausrichtung definiert wurden? Lang ist es her. "Sozial-liberal" hieß es damals, oder "christlich-liberal". Heute sind nur noch die Farben des oberflächlichen Anstrichs geblieben: im aktuellen Fall eben das Tigerenten-"schwarz-gelb". Wer weiß, was drunter ist? Auf jeden Fall eine empfindliche Antenne für Außenwirkung und Umfrageergebnisse.
Die tapfere Tigerente denkt an sich selbst zuerst - wer sollte es auch sonst tun? - das gilt für Hannover ebenso wie für Berlin, für einfache Abgeordnete ebenso wie für den Ministerpräsidenten mit Ambitionen für das höchste Staatsamt. Warum die Bevölkerung wohl so wenig Vorbildhaftes in der politischen Führungselite sieht, die sie sich doch selbst gewählt hat? Angesichts der Entscheidungen und Handlungen verblasst der Niveauverlust bei Umgangsformen und Sprachniveau ("Wildsau" vs. "Gurkentruppe" > ) zur Nebensächlichkeit, die das Gesamtbild allerdings bestätigt und abrundet.
Resonanz in der Bevölkerung? Weiterhin verhalten. Noch tragen wir geduldig die Kapriolen unserer politischen Dienstleister mit Fassung. Vielleicht, weil die meisten von uns ihren Job nicht würden machen wollen, vielleicht auch, weil wir tatsächlich dabei sind, widerstandslos zu verblöden, wie uns der Journalist Thomas Wieczorek im vergangenen Jahr in einem Bestseller > vor Augen führte. Mit hoher Auflage!
Das wiederum ist bedenklich. Bedenken wir also, dass eine hohe Auflage nur eine hohe Anzahl von Käufern bedeutet, nicht zwangsläufig eine hohe Anzahl tatsächlicher Leser. Geringer als diese ist in jedem Fall die Zahl derjenigen, die sich mit dem Inhalt auseinandersetzen und die sich nicht schon auf dem Kompliment im Klappentext zur Ruhe setzen: "... für alle, die sich das Selberdenken nicht verbieten lassen!" Wenn es schon nicht verboten ist, vielleicht fehlt damit auch der Reiz, es zu versuchen?
Ermutigend sind die ersten Stimmen aus dem Lager der Gutverdienenden und Vermögenden, wie zum Beispiel die des Hamburger Reeders Peter Krämer, der sich für eine Wiederbelebung der Vermögenssteuer ausspricht > , um Deutschland in der finanziellen Krise zu unterstützen. Jeder unternehmerisch Denkende, der in Deutschland lebt und sein Land wertschätzt, wird sich in schwerer Zeit seiner Verantwortung nicht entziehen - ganz gleich, ob sein Engagement in die breite Öffentlichkeit gelangt oder nicht.
An der Basis beginnt, womit Sie vielleicht schon seit längerem gerechnet haben: Auch die geduldigen Deutschen gehen auf die Straße und zeigen Präsenz. Erste Protestdemonstrationen finden am 12. Juni in Berlin und Stuttgart statt. Diese sollte man friedlich fortsetzen > und im "breiten Bündnis" der organisierenden Gruppen dafür Sorge tragen, dass der öffentliche Druck gewaltfrei bleibt. Wenn Deutsche vor zwanzig Jahren ihrem starken Wunsch nach einem Leben in Freiheit und Würde friedlich, aber mit steigendem Nachdruck Ausdruck verliehen haben, dann könnte es vielleicht noch einmal klappen. Unser Volk der Dichter und Denker könnte sich auf diese Weise in einem bemerkenswerten Evolutionsschritt zu einem Volk der kreativen, friedlichen Problemlöser entwickeln.
In der DDR begann die "friedliche Revolution" in der Kirche. Kirche? Haben wir doch immer noch, oder? 63% der Bevölkerung sind eingeschriebene Mitglieder - mehr als jede einzelne politische Partei an Wählern findet. Ein wahrscheinlich höherer Prozentsatz kann nachvollziehen, dass eine von christlichen Werten geprägte Politik uns allen besser täte als die gegenwärtig überwiegende opportunistische Kopflosigkeit. Also - eine gute Idee, die vielleicht bereits in vielen Köpfen zu reifen beginnt?
Und wenn Sie nicht so kirchenverbunden sind, aber gern aktiv werden möchten, um Ihre Energie in Frucht bringende Bahnen zu lenken, bevor sie sich in Frust, Druck & Stau verwandelt, inspiriert Sie vielleicht ein Besuch auf dieser Website > oder die Lektüre dieses Buches > .
Lassen Sie gern von sich hören.







