„Ihr rettet uns“, sagen die schwachen EU-Länder – indem ihr Eure Wirtschaftkraft senkt.
„Ihr rettet Deutschland“, ergänzt der Finanzminister mit Blick auf uns – weil ihr demnächst mehr Steuern zahlt.
Der Supermarkt wird von einer Beschäftigungsgesellschaft betrieben. Langzeitarbeitslose sind hier tätig, Behinderte und 1-Euro-Jobber. Wettbewerbsfähig muss das Geschäft nicht sein, weil es mit Steuergeld betrieben wird. Einzelhändler in der Umgebung spüren die Konkurrenz allerdings deutlich in ihren Umsatzzahlen. Sinkende Umsätze führen zu weniger Steuern, Entlassungen von Mitarbeitern zudem zu weiteren Belastungen für die in unserer Gesellschaft noch verbliebenen Steuerzahler > , denn es müssen wieder einmal mehr Transferleistungen bezahlt werden.
Eine Beschäftigungsgesellschaft betreibt eine Tischlerei. Sie bietet ihre Produkte günstiger an als der mittelständische Betrieb in der Nachbarschaft, dem daraufhin die Aufträge wegbrechen. Wenn die Firma liquidiert werden muss, verlieren Land und Kommune Steuermittel, aus denen sich natürlich auch die Beschäftigungsgesellschaften finanzieren.
Mit solchen Strategien brauchen wir nicht einmal die Hilfe von Griechenland, um unsere Wirtschaft zuverlässig abzufackeln. Warum passiert so etwas in Deutschland? Weil Wirtschaft und Gesellschaft so komplex geworden und die Strukturen mittlerweile so verfestigt sind, dass ... sich die Zusammenhänge nur noch von Eingeweihten zu durchschauen lassen? Nein, daran liegt es wirklich nicht. Diesen Zusammenhang durchschaut jeder, der die Grundrechenarten beherrscht.
Komplexe Strukturen verführen aber dazu, den eigenen Kompetenzbereich abgetrennt vom Gesamtzusammenhang zu sehen: Hauptsache, die Zahlen in meiner Statistik sehen gut aus. Die Zahlen bleiben abstrakt, die Menschen dahinter werden nicht mehr wahrgenommen, Vorgesetzte und Geldgeber sind zufrieden. Systemisch gute Lösungen entstehen deshalb am ehesten dort, wo der einzelne Entscheider unmittelbar mit den Konsequenzen dessen konfrontiert wird, was er ausrichtet - und anrichtet. Wo er den Menschen, die von seinen Entscheidungen unmittelbar betroffen sind, persönlich begegnet und sich von ihnen anrühren lässt. Dies ist am einfachsten in kleinen Systemen und Netzwerken möglich.
Warum also nicht auf lokaler Ebene ...
... ein Projekt wie den Supermarkt oder den Handwerksbetrieb mit der Eingliederung in eine lokale Währung > verbinden, die für einen beschleunigten Geldumlauf sorgt und gleichzeitig die lokale Wirtschaft fördert?
... den Kundenkreis für diese besonderen Betriebe beschränken, z.B. durch Gründung eines Fördervereins, dessen Mitglieder exklusiv das Recht haben, die Leistungen des Betriebs in Anspruch zu nehmen? Die Mitgliedsbeiträge könnten einkommensabhängig gestaffelt werden. Patenschaften von Unternehmern und von Bürgern, die Freude daran haben, Initiative zu fördern, statt Bedürftigkeit zu stabilisieren, könnten hinzukommen.
... einem solchen Betrieb ein anspruchsvolles Leitbild und Wertesystem zugrunde legen und diese Firmenphilosophie an alle Kunden überzeugend kommunizieren? Mitarbeiter, die stolz auf ihren Betrieb sind, finden in der Mitarbeit an der Philosophie und ihrer praktischen Umsetzung viele Möglichkeiten, ihre Leistungen zu etwas Besonderem auszugestalten. So können sie erleben, im Wettbewerb gerade durch die Besonderheit ihres Unternehmens und seines Angebots bestehen zu können.
... eine Spezialisierung entwickeln, die den Betrieb in der Region einzigartig macht? Die Ausarbeitung der Unternehmensstrategie könnte in Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung, Mitarbeitern und im engen Dialog mit den Kunden Schritt für Schritt ausgebaut werden. Nach einer Anschubphase wäre ein solcher Betrieb wettbewerbsfähig, und die Förderung durch öffentliche Hand, Stiftung oder Unternehmenspatenschaft könnte schrittweise zurückgefahren werden.
Und was soll das noch bringen, angesichts der Schuldenlawinen, die unsere politischen Entscheider gerade lostreten? Es kann lebenskonformes, schöpferisches Wachstum in Gang setzen. Nur durch unkonventionelles Denken und Handeln können Modelle und Pilotprojekte entstehen, die andere ermutigen, sich ebenfalls zu bewegen. Und bewegen sollten wir uns, denn ein Erstarren in Angst und Lähmung ist die schlechteste Möglichkeit. Sie raubt nicht nur Lebensqualität, sondern auch das kostbarste Gut: Menschenwürde.
Lassen Sie sich nicht hypnotisieren von dem, was "die da oben" tun. "Unten" gibt es tatsächlich eine ganze Menge Freiheit - wenn Sie den Mut finden, sie zu entdecken und für sich zu beanspruchen. Bewahren wir uns unsere fröhliche, beharrliche Kreativität, um den Raum zu gestalten, in dem wir Einfluss haben und Einfluss nehmen können. Jeder Mensch, den Sie mit Ihrem Feuer anstecken, trägt die Flamme weiter, bis so viel Licht und Wärme entstehen, dass sogar das Herz der notorischen Angsthasen, Verwaltungs-roboter und Kreativitätskiller aufgeht ...
Haben Sie ermutigende Erfahrungen für mich? Gerne höre ich von Ihnen! Per E-Mail > oder gleich hier per Kommentar unterhalb dieses Eintrags.







