Mehr als ein Vierteljahrhundert lang arbeitete er in seinem Unternehmen, wurde zum international gefragten Spezialisten, dann wechselte die Geschäftsleitung. Der neue Geschäftsführer stieg aus dem Team auf und achtete sehr genau darauf, dass seine Position nicht infrage gestellt und damit gefährdet würde.
Der Spezialist hielt in Anwesenheit des Geschäftsführers eine Präsentation vor einem Kunden, der Kunde dankte ihm ausdrücklich für die Qualität der dargebrachten Informationen.
Der Kunde hatte arglos dem Spezialisten gedankt, nicht ausdrücklich dem Geschäftsleiter des Unternehmens. Die Folge war eine Vereisung des Klimas zwischen dem Spezialisten und dem Geschäftsleiter. Letztlich blieb dem Spezialisten keine andere Möglichkeit, als den Betrieb zu verlassen und sein Spezial-Knowhow in einer eigenen Firma direkt in den Markt zu bringen.
So erzählt er die Geschichte. Sie wird die Spitze des zwischen beiden gewachsenen Eisbergs sein. Den kritischen Augenblick hätte er noch mit einem Satz entschärfen können, indem er den Ball seinem Geschäftsführer zuspielte und sich für die Möglichkeit bedankte, in dieser Firma über einen so langen Zeitraum sein Knowhow zu entwickeln und auszubauen. Aber das fiel ihm in der Situation nicht ein. So entwickelte sich die Beziehung eigendynamisch weiter zum Bruch hin, ohne dass einer der beiden Beteiligten die Möglichkeit genutzt hätte, sie aktiv, souverän und in aller Ruhe zu gestalten.
Immerhin gelingt ihnen eine Schadensbegrenzung: Der Spezialist führt weiterhin Aufträge für seinen ehemaligen Arbeitgeber aus; der Umsatzanteil aus dessen Auftragsvolumen liegt bei mehr als einem Drittel. Der Spezialist vermutet, dass der ehemalige Arbeitgeber ihn vor allem deshalb so großzügig mit Aufträgen versorgt, weil er damit die Möglichkeiten des Spezialisten, tragfähige und langfristige Beziehungen zu Wettbewerbern auf- und auszubauen, möglichst begrenzen möchte ...
Als Controller wäre ich mit der gefundenen Lösung nicht unzufrieden, denn Outsourcing bietet eine Möglichkeit, Geld einzusparen. Auf den ersten Blick scheint dieser Vorteil vor allem beim alten Arbeitgeber zu liegen.
Als Strategieberater würde ich deshalb zunächst den Spezialisten darin unterstützen, sein Stärkenprofil zu schärfen und sich auf den Weg zu machen, Problemlöser für eine eng umschriebene Zielgruppe zu werden, bis hin zur Marktführerschaft. Die regelmäßige Überprüfung und Verbesserung der langfristigen Unternehmensstrategie gehört aber auch zu den unternehmerischen Grundaufgaben des alten Arbeitgebers: "Der Strom fließt abwärts. Wer aufhört, gegen den Strom zu schwimmen, treibt zurück."
Als Psychotherapeut sehe ich vor allem zwei verletzte und vergrätzte innere Kinder aufeinander losgehen, wobei die Pressestelle im Gehirn jeweils vernünftige Gründe für das jeweilige Verhalten (er-)findet. Die meisten Menschen tragen ein solches inneres Kind in sich, und wer nicht lernt, es bewusst wahrzunehmen und damit sinnvoll umzugehen, wird immer wieder einmal feststellen, dass etwas mit ihm durchgeht und er sich anders verhält, als er von sich erwartet.
Als systemisch orientierter Berater erkenne ich eine Verstrickung, von der ich annehme, dass beide sie mit weiteren beruflichen und privaten Partnern inszenieren werden, wenn sie sie nicht anschauen und in der Tiefe lösen.
Als Berater für Persönlichkeitsentwicklung möchte ich beiden ein Training in Emotionaler Erfolgsintelligenz zukommen lassen, damit sie ihre Emotionen als solche wahrnehmen und lernen können, ihre emotionale Kraft in den Dienst ihrer wertvollen Ziele zu stellen.
Und als aufgeschlossener Controller erschließt sich mir nach Lektüre der letzten vier Abschnitte die Idee,
- dass die größte Quelle der Verschwendung wertvoller Ressourcen möglicherweise im menschlichen Bereich liegt,
- dass die Ursachen einer solchen Verschwendung sich für den hierin Ungeschulten nicht direkt aus Zahlen ablesen lassen,
- und dass sich durch das Verständnis eines Unternehmens als lebendiges System ganz neue Möglichkeiten erschließen, aus dem "Humankapital" bemerkenswerte Renditen zu erwirtschaften und auf diese Weise dauerhafte Wettbewerbsvorteile zu gewinnen.







