"Aber da waren noch die Religionen, die ärgerten den Teufel. Da fand er ein Mittel, sie gegeneinander zu hetzen. Er gab jeder von ihnen die Überzeugung, dass sie die einzig richtige sei ..."
Robert Crottet, Verzauberte Wälder. Geschichten und Legenden aus Lappland >
Gerade war ich richtig stolz auf meine evangelische Kirche geworden, weil der EKD-Rat eine so vorbildliche Lösung für den Rücktritt seiner Vorsitzenden Margot Käßmann > nach ihrer Alkoholfahrt gefunden hatte. Eine Lösung, die allen Beteiligten die Chance gab, auf bestmögliche Weise das Gesicht zu wahren und den Politikern zu zeigen, wie man auch in schwierigen Situationen auf respektvolle, faire Weise miteinander umgehen kann ...
... da höre ich von Kirchenvertretern auf dem Internationalen Gebetskongress in Hamburg > , dass man das gemeinsame interreligiöse Gebet verweigere, weil man schließlich nicht wisse, zu welchem Gott die anderen gerade beteten. Gibt es mehr als einen, oder haben die konzeptuellen Unterteilungen nicht eher etwas mit den Grenzen des menschlichen Vorstellungsvermögens zu tun?
Pharisäer gibt es überall; Menschen, die es mit Gott ernst meinen auch. Den Halt im Außen suchen wir in dem Maße, in dem die innere Stärke und Verwurzelung fehlt. Haben unsere kirchlichen Gebetsverweigerer Angst um ihr Seelenheil? Es ist doch ein rares, unglaublich kostbares Geschenk in der heutigen Zeit, mit Menschen zusammen zu sein und zusammen zu beten, die ihre Herzen für Gott zu öffnen bereit sind. Viele Menschen spüren, dass es eine WAHRHEIT hinter dem Schleier der Religionen gibt. Eine Wahrheit, die sich finden lässt, wenn man nur auf die richtige Weise danach sucht. Sie möchten mehr darüber wissen und sind auf der Suche nach lebendigen, tragfähigen Antworten. Das volle Haus zur "Langen Nacht der Weltreligionen" > im Hamburger Thalia Theater hat dies erst kürzlich wieder auf eindrucksvolle Weise gezeigt.
Wie wichtig ist es, welche Bilder ein Mensch im Kopf hat, wenn er sich aufrichtigen Herzens an Gott wendet? Könnten wir es nicht einfach dem allwissenden, allgegenwärtigen Gott überlassen, den Menschen beim Beten ins Herz zu schauen und herauszufinden, wer es wirklich ernst mit Ihm meint? Und sollte nicht jeder Mensch die Möglichkeit haben, auf seine eigene Weise eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen?
"So einfach ist das nicht", sagen meine christlichen Freunde. Jesus Christus hat gesagt: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum VATER denn durch Mich." Joh 14,6
Jetzt wird es spannend. Das ist die entscheidende Frage: Was meint Jesus, wenn Er "Ich" sagt? Seinen Körper? Seine Person? Das Wort "Person" stammt von "personare" = hindurchtönen. Meint Er das Göttliche, das durch Ihn rein und unverfälscht hindurchtönen kann, ohne - wie beim normalen Menschen - von selbstsüchtigen Impulsen des Ego abgeschwächt, verzerrt und verfälscht zu werden?
Antworten, die mir dabei geholfen haben, zu einer lebendigen, von kirchlichen Dogmen unverstellten Beziehung zu Jesus Christus zurückzufinden, habe ich in der "Autobiographie eines Yogi" > und in der Bibelauslegung von Paramahansa Yogananda > gefunden. Der englischsprachige Zweibänder hat einen Umfang von 1642 Seiten und bietet eine Fülle von Informationen und Denkanstößen. Eine Zusammenfassung finden Sie im deutschen Taschenbuch "Der Yoga Jesu" > .
"Der Yoga Jesu" zu lesen ist wie Jesus direkt anzuschauen und Ihn im eigenen Herzen zu spüren. Auf die Lektüre antwortet die Seele unmittelbar; sie atmet auf, Jesu lebendige Kraft und Liebe erstrahlen wie ein machtvolles Licht. Man schaut nicht länger in ein Kaleidoskop bunter Splitter, von denen jedem einzelnen die Überzeugung eingraviert scheint, über die allein selig machende Wahrheit zu verfügen. Moderne Wissenschaft und altes Wissen stellen sich als einander ergänzende Beschreibungen einer einzigen Wirklichkeit dar. Welch eine Wohltat.
Lassen wir uns von den gut gemeinten, aber nicht immer hilfreichen Bemühungen des kirchlichen "Bodenpersonals" nicht davon abhalten, uns auf den Weg zur göttlichen Quelle zu begeben, die allen wahren Religionen zugrunde liegt, und bemühen wir uns einfach ab JETZT um eine lebendige Beziehung zu Gott > : "Dort wo DU mich hingestellt hat, dort musst DU zu mir kommen."
Nach wie vor gehören die christlichen Kirchen zu den stärksten Bastionen unserer Kultur, aufgebaut auf einer lebendigen Kraft, die allein in der Lage ist, dem galoppierenden Werteverfall in Wirtschaft und Gesellschaft Halt zu gebieten. In Kirchen finden sich Menschen zusammen, die es ernst meinen mit Gott, mit dem lebendigen Prinzip der Liebe und Vergebung und dessen Umsetzung in konkretes Handeln. Wollen wir diesen Menschen und ihren vielfältigen Bemühungen den Rücken stärken, auch wenn sie nicht immer auf vollendete Weise verkörpern, was sie lehren?







