"Ich bitte, und mir wird etwas anderes gegeben.
Ich klopfe an, und mir wird eine andere Tür aufgetan.
Denn nicht mehr mein Wille, sondern DEIN Wille geschehe."
- Autor unbekannt.
Dreieinhalb Tausend Menschen waren versammelt, und alle waren wir gespannt: Würde sie kommen? Als sie den Saal betrat, erfasste uns eine energetische Flutwelle von Frieden und Liebe; alle waren wir aufgestanden, noch bevor sie das Rednerpult erreicht hatte. Sri Daya Mata > war zum Zeitpunkt der Welttagung 1993 bereits 79 Jahre alt, Präsidentin einer internationalen, wachsenden Organisation und vor allem Ordensjüngerin, Dienerin Gottes und ihres Meisters Paramahansa Yogananda > . Ich weiß nicht mehr, was sie in ihrer kurzen Ansprache gesagt hat, aber das Erlebnis dieser machtvollen Energiewelle - auf die ich völlig unvorbereitet war - hat sich mir unauslöschlich eingeprägt.
Als die 17-jährige Sri Daya Mata 1931 in Paramahansa Yoganandas Ashram kam, bekam sie bald die Aufgabe, seine Vorträge und Ansprachen mitzustenografieren. Ansonsten wollte sie einfach nur im Hintergrund dienen, einfache Büroarbeiten verrichten und vielleicht in der Küche helfen - und vor allem still meditieren, um Gott zu erfahren. Schon früh versuchte sie ihrem Meister unmissverständlich deutlich zu machen: Auf keinen Fall strebe sie eine Position in Führung oder Verwaltung an. Dann bekam sie den Auftrag, die erste SRF-Mitgliedertagung zu organisieren, versuchte eisern abzulehnen, musste am Ende aber nachgeben, denn der Meister gab als "sprechende Stimme des schweigenden Gottes" nur dem Göttlichen Willen Ausdruck und blieb fest.
Wird sie gefragt, wie sie angesichts ihrer vielfältigen Verpflichtungen Zeit für die Meditation finde, antwortet sie: Sie könne ihre weltlichen Verpflichtungen überhaupt nur meistern, weil sie Gott an die erste Stelle in gesetzt habe und daran unter allen Umständen festhalte. "Wer noch glaubt, sein Leben aus eigener Kraft schaffen zu können oder zu müssen, ist nicht wirklich auf dem Geistigen Weg."
"Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes", empfiehlt Jesus Christus im Neuen Testament (Mt 6,33), "so wird euch alles andere, was ihr außerdem in eurem Leben braucht, zufallen." - "Gebt Gott den ersten Platz in eurem Leben, oder Er wird vor der Tür eures Lebens auf euch warten, bis ihr es tut", empfiehlt Paramahansa Yogananda sinngemäß. In seinem Buch "Religion als Wissenschaft" > legt er dar, dass jeder Mensch sich einen Gott wählt: nämlich das, wonach er zuallererst in seinem Leben strebt, um Glück zu finden und Schmerz zu vermeiden. Aus dieser gelebten Lebensphilosophie entwickelt sich, was aus ihm und seinem Leben wird.
Im Ersten Gebot > hören wir es von Gott direkt: Wer es mit Ihm ernst meint, räumt Ihm den ersten Platz in seinem Leben ein und bemüht sich darum, Seinen Willen zu erkennen und im eigenen Leben zu verwirklichen. Wenn alles gut läuft, macht das Spaß. Spannend wird es mit der Spiritualität, wenn Gott Sich weigert, unsere persönlichen Wünsche zu erfüllen: Gott hat uns nicht verlassen, Er tut nur nicht, was wir gerade wollen. Vertrauen wir dann wirklich darauf, dass Er den besseren Überblick über unser Leben hat, dass Er aus reiner Liebe und Weisheit handelt, dass Er für uns sorgt und in unserem Leben das Beste manifestiert, was uns passieren kann - auch wenn wir vieles erst viel später verstehen?
Wer führt, und wer folgt? Wer - oder was - befindet sich in Ihrem Leben auf Platz Eins? Wonach streben Sie wirklich, und wohin hat es Sie bis heute gebracht?







