Zu den faszinierendsten Erfahrungen, die ich in letzter Zeit machen konnte, gehören einige Seminare zum Familienstellen nach Bert Hellinger.
Zuerst erfuhr ich von Hellinger vor vielen Jahren in einer psychologischen Zeitschrift; er galt als autoritär, und seine Arbeit wurde stark kritisiert, weil bei einigen seiner Teilnehmer zu heftigen Stressreaktionen und Gefühlsausbrüchen geführt hatte. Die negative Bewertung des Kollegen, der den Artikel verfasst hatte, hielt mich für lange Zeit davon ab, mich weiter mit dem neuen systemischen Ansatz zu beschäftigen. Denn meine Arbeit war meditativ orientiert; ich begleitete Menschen nach innen und führte sie zu ihrer inneren Weisheit, beschränkte mich darauf, Lotse zu sein und hatte eine Abneigung gegen alles "Autoritäre". Es bedeutete für mich, die Stimme der inneren Weisheit meines Klienten zu übertönen - sie war ohnehin leise genug, und bei vielen Klienten gab es eine ausgeprägte Bereitschaft, lieber der Autorität eines Beraters zu folgen als sich voll und ganz auf sich selbst einzulassen und die Verantwortung für sich selbst in vollem Umfang zu übernehmen.
Dabei muss ein Lotse natürlich mit Autorität sprechen - auch der Lotse auf dem Weg nach innen. Denn es gibt nicht nur eine "innere Stimme". Neben der inneren Weisheit melden sich weitere "innere Stimmen" zu Wort, oft genug drängen sie sich in den Vordergrund: Wünsche, Bedürfnisse, alte Programmierungen, Ängste. Hier liegen Untiefen, in denen man auf Grund laufen kann, wenn der Lotse nicht unmissverständlich den Kurs hält.
Erst jetzt kann ich Hellinger und seinen "Mut zum eigenen Weg" zunehmend wertschätzen. Ich bin ihm dankbar, dass er sich nicht beirren lässt und bis heute konsequent seiner inneren Weisheit folgt. Sein Beitrag für unser Verständnis des Menschen ist gerade für die heutige Zeit, in der wir aufgefordert sind, auf vielen Feldern aus der Zerrissenheit in die Verbundenheit zurückzufinden, von unschätzbarem Wert.
Jahre nach meinem ersten Kontakt mit Hellingers Gedanken und Erkenntnissen lernte ich das Familienstellen in einer Fortbildung kennen und erfuhr, dass diese Arbeit - sofern sie richtig angeleitet wird - immer in der Tiefe berührt, und dass sich dabei Gefühle entladen können, die lange unterdrückt worden waren. Dieser Kontakt und die Lösung emotionaler Blockaden führen - wiederum vorausgesetzt: unter fachkundiger Begleitung - zu einer Erweiterung des Bewusstseins und zu einem erweiterten Freiraum im Denken und Fühlen.
In einem Seminar, an dem ich wegen einer eigenen Frage teilnahm, erlebte ich folgendes: Die Runde war für dieses Seminar neu zusammen gekommen, wir wussten nichts voneinander als den Vornamen, den Familienstand, und ob wir bereits Erfahrungen mit dem Familienstellen hätten. Wir machten keine Angaben über den Beruf, und auch keine Angaben über die Frage, mit der wir hier waren. Für die Aufstellung wählten wir jeweils Stellvertreter, für die eigene Person, für weitere Personen aus dem System und für beteiligte Aspekte oder Qualitäten.
Der Stellvertreter, den ich für mich wählte, beschrieb bereits in seinen ersten Sätzen sowohl mein Lebensgefühl sehr treffend als auch ein körperliches Symptom, von dem er nichts wissen konnte. Es ist eine Sache, von einem "wissenden Feld" gehört zu haben, und eine andere, die geheimnisvolle Verbindung wirklich zu erfahren, die es ermöglicht, dass Stellvertreter, die nichts von dir wissen, eine Systemdynamik abbilden, Gefühle empfinden und Sätze aussprechen, die nicht die eigenen sind und von denen sie nicht wissen, was sie im Zusammenhang bedeuten, weil sie nicht einmal wissen, wofür oder für wen sie stehen (mit Ausnahme des Stellverteters des Aufstellers).
Diese Erfahrung wiederholte sich systematisch und ausnahmslos erneut in jedem Seminar, an dem ich - mit jeweils veränderter Teilnehmerzusammensetzung - teilnahm. Für mich und für alle anderen, die jeweils aufstellten.
Das Leben ist ein Ganzes - wer einmal die Aufstellungsarbeit an sich selbst erfahren hat, bekommt einen völlig neuen Zugang zur Theorie der "morphogenetischen Felder", aber auch zu Fragen der "übersinnlichen Wahrnehmung". Es wird einfach zu einer nüchternen, verlässlichen Erfahrung.
Das "wissende Feld" arbeitet jenseits aller magischen und esoterischen Rituale, zuverlässig und an jedem Ort der Welt immer wieder aufs Neue.
Bei den Seminaren, an denen ich teilnahm, um eigene Blockierungen zu lösen, durfte ich auch erfahren, dass sich innerhalb meiner Familie Beziehungen zwischen Mitgliedern harmonisierten, die nicht einmal wussten, dass ich mich zum Familienstellen entschlossen bzw. am Seminar teilgenommen hatte.
Was bedeutet es, wenn wir diese Erfahrung der ständigen Verbundenheit im morphogenetischen, "wissenden" Feld auf unsere Beziehungen zu Menschen übertragen, denen wir im Alltag begegnen, denen wir beruflich oder privat im Kontakt sind, und zu Menschen, die wir als Erfolgspartner für uns gewinnen möchten?
Denken Sie es einmal zu Ende ...







